Anträge, die sich lohnen
Pflegegrad, Schwerbehindertenausweis, Eingliederungshilfe: Papierkram, der Ihnen tatsächlich Entlastung bringt — und wie Sie ihn angehen.
Papierkram ist das Letzte, wozu man nach einer Diagnose Kraft hat. Und ausgerechnet jetzt entscheidet er darüber, welche Unterstützung Ihre Familie bekommt — finanziell, zeitlich und praktisch.
Die gute Nachricht: Es sind nicht viele Anträge, und sie bauen aufeinander auf. Wer die Reihenfolge kennt und weiß, worauf es bei der Begutachtung ankommt, spart sich viel Frust und manchen Widerspruch.
Wichtig vorweg: Für einen Antrag auf Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII brauchen Sie keine abgeschlossene Autismus-Diagnose. Entscheidend ist die Teilhabebeeinträchtigung, nicht das Etikett.
Die Reihenfolge, die sich bewährt hat
Sie müssen nicht alles gleichzeitig angehen. Diese Reihenfolge hat sich im Alltag als praktikabel erwiesen.
Alles dokumentieren
Führen Sie ein einfaches Tagebuch: Was passiert wann, wie lange dauert es, wie viel Unterstützung ist nötig? Diese Aufzeichnungen sind bei jedem Antrag Ihr wichtigstes Material.
Pflegegrad beantragen
Der Pflegegrad bringt Geld, Entlastungsleistungen und Verhinderungspflege. Der Antrag geht formlos an die Pflegekasse Ihrer Krankenkasse — ein Satz genügt, alles Weitere kommt danach.
Schwerbehindertenausweis
Er bringt Nachteilsausgleiche, steuerliche Vorteile und je nach Merkzeichen weitere Erleichterungen. Zuständig ist das Versorgungsamt beziehungsweise die zuständige Landesbehörde.
Eingliederungshilfe klären
Nach § 35a SGB VIII beim Jugendamt: für Schulbegleitung, Autismustherapie und weitere Teilhabeleistungen. Bei geistiger, körperlicher oder Mehrfachbehinderung ist stattdessen der Träger der Eingliederungshilfe nach SGB IX zuständig (je nach Region Sozialamt, Landschaftsverband oder Bezirk). Landet ein Antrag bei der falschen Stelle, muss sie ihn nach § 14 SGB IX weiterleiten. Hier lohnt sich Beratung vor der Antragstellung.
Im Mika Guide weiterlesen
Das Modul „Anträge“ im Mika Guide führt Sie Schritt für Schritt durch die Verfahren — mit Musterformulierungen und Checklisten für den Begutachtungstermin.
Welcher Antrag zuerst?
Die sinnvolle Reihenfolge — und warum sie sich bewährt hat.
Pflegegrad
Antrag, Begutachtung, Einstufung: was zählt und was oft übersehen wird.
Schwerbehindertenausweis
Grad der Behinderung, Merkzeichen und was sie im Alltag konkret bedeuten.
Eingliederungshilfe § 35a
Schulbegleitung und Therapie: der Weg über Jugendamt oder Eingliederungshilfe-Träger.
Der Begutachtungstermin
Was Sie mitbringen, wie Sie schildern und warum der schlechte Tag der ehrliche ist.
Wenn abgelehnt wird
Widerspruch ist normal und oft erfolgreich — Fristen und Vorgehen.
Die App ist kostenlos; der erste Abschnitt dieses Moduls ist frei lesbar, die Vertiefung gehört zu Mika+ (einmalig 19,99 €).
Zu den rechtlichen Angaben auf dieser Seite
Ich stelle diese Informationen nach bestem Wissen und Gewissen zusammen und halte sie so aktuell, wie es mir möglich ist. Trotzdem gilt: Gesetze ändern sich, Beträge werden angepasst, Verfahren laufen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich — und jede Familie hat ihre eigene Situation.
Was hier steht, ist deshalb eine Orientierung und ausdrücklich keine Rechtsberatung. Verbindlich sind allein die geltende Rechtslage und die Entscheidung der zuständigen Stelle. Für Entscheidungen, die Sie auf Grundlage dieser Seite treffen, kann ich keine Haftung übernehmen.
Wenn viel davon abhängt — bei einer Ablehnung, einem Widerspruch oder einer Klage — holen Sie sich bitte Unterstützung. Die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) ist kostenlos und in ganz Deutschland erreichbar; auch Sozialverbände wie VdK oder SoVD und Fachanwältinnen für Sozialrecht helfen weiter.
Sie möchten darüber sprechen?
Beim Sortieren, welcher Antrag in Ihrer Situation sinnvoll ist und was in die Begründung gehört, unterstütze ich Sie gern.
